Herren I: Herausfordernde Zeiten

Acht Spieler und der Trainer kehrten den Bezirksklassen-Handballern des TVM im Sommer den Rücken – Wie der Verein damit umgeht.

Björn Walter erinnert sich noch sehr gut an dieses interne Treffen im Juni. Als der Sommer die Menschen noch mit vielen Sonnenstunden verwöhnte, zogen bei den Bezirksklassen-Handballern des TV Memmingen (TVM) dunkle Wolken auf. Für Abteilungsleiter Walter kamen sie durchaus überraschend. „An dem Treffen nahmen der damalige Trainer Marc Zenses, die Spieler und meine Wenigkeit teil“, berichtet Walter. Die richtungsweisenden Fragen, die bei der Zusammenkunft geklärt werden mussten, lauteten: Wer von den Anwesenden sagt für die anstehende Saison 2022/23 verbindlich zu beziehungsweise wer hilft zuverlässig mit, das invisierte Ziel `Aufstieg in die Bezirksoberliga´ zu realisieren? Björn Walter beschreibt die Ausgangslage für das Juni-Meeting so: „Aufgrund etlicher Vorgespräche war mir klar, dass hinter dem Verbleib einiger Spieler aus beruflichen Gründen Fragezeichen stehen würden.“ Vom Verlauf der Gespräche sei er dann jedoch sehr negativ überrascht worden. Denn: „Eine ganze Reihe an Spielern hat uns damals Absagen erteilt.“ Konkret bedeutet dies, dass gleich acht Spieler den Verein verließen. Torhüter Florian Müller und die Felspieler Philipp Bönsch sowie Stefan Beck wechselten zum Lokalrivalen TSV Ottobeuren II. Leon Schuck, Stefan Zierke und Marcel Lecheler beendeten ihr Engagement bei den Rot-Weißen genauso wie Nils Kunz und Noel Wingler.

Wie ging es anschließend weiter? „In den darauffolgenden Wochen haben wir uns mit den verbliebenen Spielern und mit (Noch-)Trainer Zenses ausgetauscht“, erzählt Walter. In der Trainerfrage sei man zu der Erkenntnis gelangt, dass „die Basis für eine Zusammenarbeit mit Marc nicht mehr gegeben war.“ Die Gründe aus Walters Sicht: Ein geordneter Trainingsbetrieb und ein Mitspielen um den Aufstieg mit dem vorhandenen Kader sei nicht realistisch sei gewesen. Wegen der frappierenden Personalknappheit habe über Wochen „kein geordnetes Training“ stattfinden können. Die Spieler hätten sich aber zumindest ein- bis zweimal pro Woche auf der neuen Beachanlage des Klubs fit gehalten. Anfang August habe man dann die endgültige Entscheidung getroffen, im Oktober am Spielbetrieb teilzunehmen. „Anfang September haben wir dann mit dem Hallen-Training begonnen“, berichtet Walter. Zu allem Überfluss seien dann auch noch einige Akteure an Corona erkrankt.

Trotz aller Probleme und Rückschläge haben es die Memminger Handballer aber geschafft, erfolgreich in die neue Spielzeit zu starten: Am 8. Oktober gewann die neuformierte Mannschaft – die lediglich aus sechs festen Feldspielern und zwei Torhütern besteht – mit 33:29 beim TSV Pfronten. Multifunktionär Walter – der Abteilungsleiter ist beim Männerteam auch als Spieler und Betreuer aktiv – lässt sich die Freude am Sport nicht nehmen: „Auch wenn wir in manchen Trainingseinheiten nur zu fünft oder sechst sind“, sagt Walter, „wir haben Spaß, sind motiviert und der Zusammenhalt passt.“ (Quelle: Memminger Zeitung/dp)